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Ich sehe was, was du nicht siehst
Terug

Ich sehe was, was du nicht siehst

Montag, 15 Juli 2019
Ich sehe was, was du nicht siehst

Dieses Mal stellen wir Ihnen Lebewesen im Burgers’ Ocean vor, die größtenteils gar nicht zu sehen sind. Dabei geht es um Tiere, die schon vor Hunderten Millionen Jahren auf der Erde lebten: die Foraminiferen, auch Kammerlinge genannt. Die Größe dieser Einzeller variiert zwischen tatsächlich nicht sichtbar bis zu einigen Zentimetern. Foraminiferen leben in großen Zahlen in unserem Korallenriffbassin und werden in vielen europäischen Universitäten und Forschungsinstituten erforscht.

Foraminiferen

Foraminiferen kommen in allen Ozeanen und Meeren weltweit vor. Wenn Sie in der Nordsee schwimmen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eines der Tierchen zwischen Ihren Zehen landet. Zu Milliarden sind sie Teil des tierischen Planktons.

Im Jahr 2005 hatten wir im Korallenriff eine Foraminiferen-Plage. In riesigen Mengen saßen sie überall auf dem Substrat. Darunter waren bis zu fünf Millimeter große Arten – man konnte sie mit dem bloßen Auge sehen. Forscher aus dem Naturkundemuseum Naturalis in Leiden und von der Universität Utrecht waren daran sehr interessiert und nahmen an verschiedenen Stellen Proben. Es stellte sich heraus, dass 55 verschiedene „größere“ Foraminiferen-Arten im Korallenriffbassin leben. Wenn man diese Zahl mit einem natürlichen Riff in Indonesien vergleicht, ist das schon ganz beachtlich. Dort kommen etwa hundert Arten vor. Sie sind einst in „lebendigen Steinen“ aus Indonesien in das Bassin gelangt. In und auf diesen Steinen, die die Grundlage für den Bau unseres Korallenriffs bildeten, existiert sehr viel Leben, u.a. Bakterien, Schwämme oder Algen, und somit auch Foraminiferen. Die lebendigen Steine wurden bewusst in das Bassin gesetzt, um möglichst viele Lebensformen im Riff zu integrieren. Gerade diese unsichtbaren Lebewesen sind für den Aufbau des Korallenriff-Ökosystems ungeheuer wichtig.

Die großen Jungs

Die „großen“ Foraminiferen-Arten – mit einer Größe zwischen etwa einem Millimeter und zwei Zentimetern – leben häufig in Gemeinschaft mit einer einzelligen Alge. Eine ähnliche Symbiose also wie bei den riffbauenden Korallen. Gerade weil sie gerne unter den gleichen Umständen leben wie Korallen, kommen die größeren Foraminiferen in enormen Zahlen im Arnheimer Korallenriff vor. Neben den Nährstoffen, die die Foraminiferen aus dieser Symbiose erhalten, fressen sie auch Abfallstoffe und nehmen dadurch eine bedeutende Funktion im Ökosystem ein. In der Natur wird das Vorkommen bestimmter Foraminiferen-Arten als Indikator für die Gesundheit des ganzen Korallenriffs angesehen.

Gleichgewicht statt Plage

Die Plage von 2005 liegt nun, vierzehn Jahre später, in der Vergangenheit. Tatsächlich betrachten wir eine Tierart als Plage, wenn sie überrepräsentiert ist. Eine Plage bekämpft man am besten durch eine Veränderung des biologischen Gleichgewichts, die die Population der Plagetiere senkt. Fressen und gefressen werden – das muss in einem biologischen Gleichgewicht stehen. Es hat einige Jahre gedauert, bis wir dies im Korallenriffbassin erreicht hatten, aber nun geht es uns leichter von der Hand. Die Foraminiferen sitzen heutzutage vor allem im Korallensand, und wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie sie gelegentlich unten an den Scheiben, die sie wie kleine braune Kreise von unten her bevölkern. Da Taucher die Scheiben aber jede Woche ein- oder zweimal säubern, sitzen die Foraminiferen dort nicht überall.

Indikator für die Klimaveränderung

Foraminiferen aus dem Korallenriffbassin werden an vielen Orten in Europa untersucht, beispielsweise an den Universitäten von Utrecht, Kiel, Cambridge und Plymouth (UK) sowie in Forschungsinstituten auf Texel (Nederlands Instituut voor Onderzoek aan de Zee), in Bremerhaven und im polnischen Krakau. Warum aber sind Arnheimer Foraminiferen so beliebt? Zuallererst, weil sie so einfach zu bekommen sind. Man muss für sie nicht in die Tropen reisen. Wir verschicken einfach etwas Sand aus dem Korallenriff, der meistens ausreichend Foraminiferen enthält. Aber abgesehen von dieser Annehmlichkeit sind Foraminiferen Garant für spannende Forschungen. Foraminiferen besitzen ein Kalkskelett und bilden während ihres Wachstums immer neue Skelettkammern. Lässt man nun Foraminiferen unter bestimmten Umständen wachsen, kann man nach der Analyse eines neuen Skelettteils spezielle Informationen sammeln. Die Zusammensetzung des Skeletts verrät etwas über die Bedingungen, in denen die Foraminiferen aufgewachsen sind. Abweichende Umgebungsfaktoren führen zu einer abweichenden Zusammensetzung von Isotopen und verändern das Verhältnis zwischen Magnesium und Strontium oder anderen Elementen. Durch diese Untersuchungen erfährt man, welche Folgen beispielsweise Temperaturveränderungen auf das Foraminiferen-Skelett haben. Dieses Wissen lässt sich nutzen, um Millionen Jahre alte Foraminiferen zu analysieren und Aussagen über die Wassertemperatur, die Menge an CO2in der Luft und viele andere Parameter jener Zeit zu treffen. Wir legen im Burgers’ Zoo großen Wert auf diese Art der Zusammenarbeit, weil wir dadurch unseren Teil zur wissenschaftlichen Erforschung der Klimaveränderung beitragen können.

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