Terug

Albatrosse gegen Hochseefischerei schützen

Freitag, 13 Juli 2018
Albatrosse gegen Hochseefischerei schützen

Seit 2007 zeichnet die Stiftung Future For Nature jährlich drei junge, vielversprechende Naturschützer mit dem „Future For Nature“-Award aus. Aus Hunderten Anmeldungen wählt ein unabhängiges internationales Komitee aus erfahrenen Naturschützern drei Gewinner aus. Jeder von ihnen erhält 50.000 Euro und den „Future For Nature“-Award. Der Königliche Burgers’ Zoo ist einer der Hauptsponsoren der Stiftung. Die Verleihung findet jährlich im Safari Meeting Centre in Anwesenheit von mehreren hundert Gästen aus dem In- und Ausland statt. In den vergangenen Jahren wurden der „Future For Nature“-Award von herausragenden Persönlichkeiten wie Sir David Attenborough, Jane Goodall, Frans de Waal, Redmond O’Hanlon und Doutzen Kroes verliehen. Bei der Feier des zehnjährigen Bestehens war König Willem-Alexander als Ehrengast geladen.

Albatrosse

Albatrosse sind mit einer Spannweite von mehr als drei Metern die größten fliegenden Vögel der Welt. Die meisten Albatrosse kommen auf der Südhalbkugel vor, wo sie auf subantarktischen Inseln brüten. Den größten Teil des Lebens verbringen sie über dem Ozean schwebend. Sie kehren nur zum Brüten auf die Inseln zurück. Im Winter, außerhalb der Brutsaison, halten sie sich in großer Zahl in südafrikanischen Gewässern auf. Sie sind dann tausende Kilometer von ihren Brutplätzen hierher gereist, um im nahrungsreichen Benguelastrom entlang der Küste nach Beute zu fischen.

Angelhaken und Schleppnetze bilden starke Bedrohungen

In längst vergangenen Zeiten glaubten Seeleute, Albatrosse seien die Seelen verstorbener Matrosen. Wenn man einem Albatros etwas Böses täte, würde das Unglück bringen. Leider glaubt das heutzutage niemand mehr. Die großartigen Seevögel sind in zunehmendem Maße bedroht. Von den 22 Albatros-Arten sind heute 16 vom Aussterben bedroht. Seit den 90er Jahren ist bekannt, dass die Langleinen- und Schleppnetzfischerei die wichtigsten Bedrohungen für Albatrosse und Sturmvögel darstellen. Thunfischfischer setzen lange Leinen ein, an denen bis zu 3.000 Haken mit Ködern befestigt sein können. Die Vögel versuchen, diese Fischstücke zu fangen, solange die Leine noch an der Wasseroberfläche liegt. Meist schnappen sie sich nur den Köder und fliegen damit weg. Zum Unmut der Fischer: Die auf diese Weise verlorenen Köder kosten nicht nur Geld, sondern reduzieren auch die Fangquote. Gelegentlich hat ein Vogel jedoch weniger Glück. Er verfängt sich am Haken, während die Leine sinkt. Er wird in die Tiefe gezogen und ertrinkt. Schätzungen zufolge sterben auf diese Weise allein in Südafrika jährlich 3.000 bis 5.000 Seevögel. Bei der Schleppnetzfischerei werden die Vögel von den Fischen angelockt, die ins Meer zurückgeworfen werden. Während die Vögel diese in der Luft fangen, verheddern sie sich in den Schleppleinen der Netze. Andere verfangen sich in Netzen, die nahe der Wasseroberfläche ausliegen.

albatrosse

Albatross Task Force (ATF)

Um diese Bedrohungen zu bekämpfen, haben die „Royal Society for the Protection of Birds“ (RSPB) und „Birdlife International“ ein Team von engagierten Ausbildern zusammengestellt: die „Albatross Task Force“ (ATF). Die Mitglieder dieser Einheit entwickeln und testen neue Techniken und demonstrieren den Fischern vor Ort entsprechende risikoverringernde Maßnahmen. Als ein internationales Expertenteam nehmen sie im Seevogelschutz eine führende Rolle ein – sowohl im südlichen Afrika (Namibia und Südafrika) als auch in Südamerika (Chile, Ecuador, Peru, Brasilien, Argentinien und Uruguay). Eine ihrer Stärken ist ihre Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, die den internationalen Fokus verstärkt. Das Rekrutieren und Schulen lokaler Experten zeitigt sehr gute Ergebnisse bei der Reduzierung des weltweiten „Beifangs“ von Seevögeln. Die ATF arbeitet mit der Fischerei-Industrie und Regierungen zusammen, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen zur Risikominderung angenommen werden und die Fischereiflotten sie in ihrer täglichen Praxis wirklich anwenden. Das erste Team nahm 2006 in Südafrika seine Arbeit auf.

Vertrauensbeziehungen zur kommerziellen Fischwirtschaft aufbauen

Die Arbeit für die ATF ist sehr interessant und jeden Tag anders. Den größten Teil der Zeit verbringe ich auf See, auf kommerziellen Fischereischiffen. Dort sammele ich wertvolle Daten über den Seevogel-Beifang und kontrolliere, ob die Maßnahmen zur Risikobegrenzung eingehalten werden. Diese Zeit auf See gibt unserem Team die Gelegenheit, neue Techniken und Materialien zu entwickeln. Beispielsweise eine Hakenkapsel, die durch die Prämie des FFN Awards ermöglicht wird. Aufklärungsarbeit und die Förderung des Umweltbewusstseins der Fischer ist ein weiteres wichtiges Ziel unserer Arbeit. Wir haben Workshops in der Fischerei-Industrie abgehalten, um Wissen zu vermitteln und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Fischereivertreter wurden auch darin geschult, relevante Daten auf See zu erheben. Sie sind für uns wie zusätzliche Augen, denn wir können nicht alle Schiffe der Fischereiflotte beobachten. Wir haben zudem Leinen mit Bändern eingeführt, die als Vogelscheuchen fungieren und die Albatrosse von den gefährlichen Stellen in der Nähe der Haken fernhalten sollen. Als wir diese Materialien an die Fischer verteilten, haben wir die Häfen regelmäßig besucht. Im Rahmen dieser Interaktion mit den Fischern konnten wir auf informelle Weise für den Schutz von Seevögeln eintreten. Durch Einbeziehung aller Beteiligten konnten wir beim Schutz einer gefährdeten Tiergruppe beträchtliche Erfolge verbuchen. Durch die Arbeit meines Teams wurde in der südafrikanischen Schleppnetzfischerei der Beifang von Seevögeln um 95 Prozent reduziert. Wir hoffen, durch das Testen, Entwickeln und Produzieren der Hakenkapsel in naher Zukunft entsprechende Ergebnisse in der Langleinenfischerei erzielen zu können. Dieses Hilfsmittel ist realistisch, preiswert und einfach zu benutzen – und kann bei einem kritischen Naturschutzproblem Abhilfe schaffen.

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