Das Schwimmverhalten von Haien
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Das Schwimmverhalten von Haien

Mittwoch, 15 Februar 2017
Das Schwimmverhalten von Haien

Haie regen stets unsere Fantasie an. Ein wichtiger Aspekt aus dem Leben der Haie ist jedoch nach wie vor unklar: Müssen Haie ständig schwimmen oder nicht? Bei Grundhaien, wie dem Epauletten- oder dem Leopardenhai, ist die Antwort auf diese Frage bekannt: Sie verbringen 23 Stunden pro Tag schlafend am Meeresboden. Aber bei vielen anderen Haien fischen wir diesbezüglich noch im Trüben. Haie wie der Kleine Schwarzspitzenhai müssen auf jeden Fall schwimmen, um zu atmen. Durch die leicht geöffnete Schnauze fließt beim Schwimmen Wasser hinein und über die Kiemen wieder hinaus. Die Pumpwirkung, die Fische normalerweise zum Atmen nutzen, funktioniert bei diesen viel schwimmenden Haien nicht. Wenn diese Tiere am Boden liegen, sterben sie innerhalb weniger Stunden. 

Erschöpft

Wie kann ein Hai überleben, wenn er 24 Stunden pro Tag in Bewegung ist? Eine faszinierende Frage, die sich nicht leicht beantworten lässt. Auch wir Menschen benutzen einige Muskeln beim Atmen. Ein Hai muss sogar noch mehr Muskelkraft einsetzen, da er zum Schwimmen seinen ganzen Körper in Bewegung bringen muss. Er ist dafür jedoch perfekt ausgestattet. Der stromlinienförmige Körperbau, die geringe Reibung der Haut, seine großen Brustflossen und ein speziell geformter Schwanz tragen alle dazu bei, dass ein Hai mit wenig Widerstand durchs Wasser gleitet. Aber wie ruhen Haie sich aus? Diese Frage wurde im Burgers’ Ocean, dem großen Aquarium unseres Zoos, untersucht. 2005 erforschten Studenten die Schwimmaktivitäten der Kleinen Schwarzspitzenhaie im Haifischbecken von Burgers’ Ocean. Die wichtigste Schlussfolgerung dieser Untersuchung war, dass die Tiere 90 Prozent der Zeit schwimmen und in den übrigen 10 Prozent der Zeit gleiten. 

 

 

 

 

Wie in einem Gleitflug lassen sich die Haie in dieser Zeit langsam nach unten sinken, ohne sich zu bewegen. Die großen Brustflossen verhindern, dass sie zu schnell sinken. Wie ein Segelflugzeug gleitet der Hai durchs Wasser, bis er am Boden ankommt und dann wieder nach oben schwimmen muss.

Folgeuntersuchung

Eva Volman, Studentin an der Universität Wageningen, hat im vergangenen Jahr eine Folgeuntersuchung durchgeführt. Sie hatte sich die Frage gestellt, ob zwischen den Schwimmbewegungen der Haie im Jahr 2005 und denen im Jahr 2016 ein Unterschied besteht: Ändert sich die Schwimmbewegung mit der Größe der Haie? 2005 maßen die Haie 1,3 Meter, voriges Jahr 1,8 Meter. Das Ergebnis der Untersuchung: Es besteht wenig Unterschied hinsichtlich der Schwimmaktivität. Wahrscheinlich ist der Größenunterschied zu gering, um sich auf das Schwimmverhalten auszuwirken. Die zweite Frage in Volmans Untersuchung lautete, ob die Schwimmaktivität durch eine Veränderung der Strömung im Haifischbecken zu beeinflussen ist. Vor fünf Jahren war man durch die Untersuchung zu der Erkenntnis gelangt, dass Haie durch die Bewegung des Wassers im Becken gestört wurden. Quer durch das Becken ging eine starke Strömung, um das Wasser gut zu durchmischen. Die Haie begannen ihre „Gleitflüge“ an den Beckenrändern und glitten Richtung Beckenmitte, wurden jedoch durch die Strömung gestört. Wir haben diese Strömung verändert und waren neugierig, ob sich dies auf die Schwimmaktivität der Haie positiv auswirken würde. Zwei Monate lang wurden abwechselnd verschiedene Pumpen eingeschaltet. Die neue Strömung kam von einer starken Pumpe am Rand des Beckens.

Die Ergebnisse waren interessant: Die Haie glitten bei der neuen Strömung längere Stücke und schwammen um einiges ruhiger durch das Becken. Je ruhiger Haie schwimmen, desto weniger Sauerstoff benötigen sie und desto weniger Energie wird verbraucht.

Ortsbestimmung

Eva Volman hat während ihrer Untersuchung auch darauf geachtet, wie die Haie das Becken nutzen. Was auch den Besuchern auffällt, hat die Forscherin bestätigt: Die Haie schwimmen vor allem im hinteren Teil des Beckens. Das Dämmergebiet ist genau die Umgebung, in der Haie in der Wildnis schwimmen. Sie schwimmen zu dem helleren Korallenriff, um nach Nahrung zu suchen.

Mit Haien sprechen

Es ist sehr wertvoll, mit dieser Art von angewandter Forschung die Gesundheit von Haien in Aquarien verbessern zu können. Wer Haie (und im Grunde jedes Tier) pflegt, muss das Tier, um das er sich kümmert, „lesen“ können. Welches Verhalten ist normal und welches nicht? Ein Tierpfleger sammelt diesbezüglich viel Erfahrung und bemerkt kleine Abweichungen sofort. Die Forschung ergänzt dieses „Tiergefühl“ durch harte Fakten. Durch die Kombination von beidem erlangen wir immer mehr Wissen,  und das lässt uns auch kleine Nuancen im Verhalten erkennen. Haie können nicht mit Worten zu uns sprechen, aber gegenseitig erzählen sie sich fortwährend jede Menge. Genau das würden wir gerne verstehen. Indem wir das Verhalten immer kleinteiliger untersuchen, erfahren wir Schritt für Schritt mehr über die Sprache der Haie. Trotzdem bleiben noch viele Fragen offen. Wie schläft ein Hai? Wie kommunizieren Haie und was „sagen“ sie einander?

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