Ein echter Maki ärgert gerne
Terug

Ein echter Maki ärgert gerne

Donnerstag, 23 März 2017
Ein echter Maki ärgert gerne

Kattas zählen zu den madegassischen Halbaffen und sind glücklicherweise eine der weniger bedrohten Arten. In Zoos sind Kattas alles andere als selten. Elf der fünfzehn im niederländischen Verband der Zoos (NVD) zusammenarbeitenden Zoos beherbergen diese attraktive Art. Seit dem Zeichentrickfilm „Madagaskar“, in dem ein Katta namens König Julien das Zepter über eine fröhliche Bande Halbaffen schwingt, kennt jedes Kind diese Primaten. Wie sozial ist diese Art eigentlich? Es ist an der Zeit, sich einmal anzusehen, welches (Halb-)Affentheater der Katta so anstellt.

Kalte und heiße Nächte

Kattas leben in der Natur vor allem in den trockenen Gebieten in der südlichen Hälfte Madagaskars. In den madegassischen Wintern, die von Mai bis September dauern, kann es in offener Landschaft nachts empfindlich kalt werden. Die Kattas finden diese niedrigen Temperaturen ganz und gar nicht angenehm. Die Mitglieder einer Gruppe kuscheln sich dann eng aneinander, um sich warm zu halten. Sobald die Morgensonne aufgeht, wird es Zeit für ein Sonnenbad. Die Tiere setzen sich dann gerade hin, halten die Arme zur Seite und strecken ihre weißen Bäuche Richtung Sonne. Kattas kennen neben kalten übrigens auch „heiße Nächte“: Die Paarungszeit beschränkt sich auf ein- bis zwei mal pro Jahr und ist zudem recht gut zwischen den Weibchen untereinander synchronisiert. In der Kattagruppe ist an diesen Tagen einiges los!

Kämpfende Weibchen

Sie sehen zwar recht verschmust aus, im Umgang miteinander können Kattas aber alles andere als zimperlich sein. Kattas leben in Gruppen von etwa fünfzehn bis zwanzig Tieren. In einer solchen Gruppe leben mehrere erwachsene Männchen und Weibchen, wobei die Weibchen eindeutig das Sagen haben. Sie sind es auch, die untereinander häufig zanken. Diese kleinen Konflikte führen kurz nach der Geburtsphase zu regelrechten Kämpfen, um die Ränge und Stände festzulegen. Es scheint unpraktisch und auch nicht gerade schlau, mit einem oder zwei verletzlichen Neugeborenen am Körper zu kämpfen. Aber der Energiebedarf der säugenden Weibchen ist besonders hoch, und vor allem in der Stillzeit kann der Erhalt oder Erwerb einer guten Position in der Rangordnung essenziell sein. Wenn die Gruppe zu groß wird, vertreiben die dominanteren Weibchen bei diesen Kämpfen regelmäßig niedriger stehende Mitglieder brutal aus der Gruppe. Häufig endet das für die verstoßenen Tiere nicht gut, weil sie sich nicht einfach an eine andere Gruppe anschließen und auch nicht immer schnell ein eigenes Territorium finden können. 

Keine coolen Männer

Die Männchen sind etwas entspannter, oder vielleicht könnte man besser sagen: Sie finden sich eher mit ihrer Situation ab. Karriere können sie in der Kattahierarchie sowieso nicht machen. Die ranghöchsten Männchen werden von den Weibchen zwar schlecht behandelt, aber solange sie sich brav verhalten, werden sie zumindest an einem relativ zentralen Platz in der Gruppe geduldet. Weniger glückliche Männchen halten sich ganz am Rande der Gruppe auf, wo sie trotz des ehrwürdigen Abstands noch häufig genug von schlecht gelaunten Weibchen ausgeschimpft werden. Die Männchen am Rande der Gruppe sind überdies gefährdeter bei einem Angriff durch Feinde wie Fossas oder Raubvögel.

Stinkkampf

Bevor die kurze Paarungszeit anbricht, werden die Männchen untereinander streitsüchtiger. Statt zu kämpfen, verwenden sie allerdings Sekrete aus ihren Duftdrüsen, um ihrem Gegner zu imponieren. Die Drüsen am Handgelenk werden über Zweige gerieben, um allen umher streunenden Männchen klarzumachen, dass es hier bereits männliche Kattas gibt. Außerdem ziehen sie ihren Schwanz unter der Achsel hindurch und an den Handgelenken entlang und hinterlassen so ein besonderes Parfüm auf ihrem gestreiften Schwanz, das wir Menschen so gut wie nicht riechen können. Anschließend stellen sich zwei erwachsene Kerle genau wie in einem Westernduell gegenüber auf, starren einander in die Augen... und wedeln mit ihren hoch erhobenen Schwänzen hin und her Richtung Gegner. Wer mehr oder besser stinkt, der gewinnt diesen Stinkkampf! Wenn es keinen überzeugenden Sieger gibt, wird übrigens doch noch gekämpft. Die Weibchen, die mehr zu sagen haben als die kämpfenden Männchen, wählen übrigens als Partner für die Paarung häufig genug trotzdem den Verlierer. Welche Kriterien sie bei ihrer Entscheidung berücksichtigen, erzählen wir ein anderes Mal in einem der nächsten ZieZoo! 

Männer unter sich

Im Burgers´ Zoo leben neun Männchen zusammen in einer Junggesellengruppe. In der Natur kommt eine solche Gruppenzusammenstellung bei Kattas eigentlich nicht vor. Aber weil die Männchen vor der Paarungszeit in Zuchtgruppen so unverträglich sind, wird in Zoos meist nur ein einziges geschlechtsreifes Männchen behalten. Ein Überschuss an Männchen ist die Folge. Eine Junggesellengruppe funktioniert prima, solange keine Weibchen in der Nähe sind – sogar besser als eine Makigruppe ausschließlich mit Weibchen funktionieren würde.

Drüsen gut erkennbar

Die Duftdrüsen an den Handgelenken sind bei den Kattas meist sehr gut zu erkennen. Der aufmerksame Beobachter sieht außerdem noch ein kleines Hornhautkissen neben dem kahlen, schwarzen Fleck der Drüse. Dieses Hornhautkissen verwenden die Männchen, um Markierungen in Baumrinde zu kratzen, bevor sie die Sekrete aus der Drüse am Handgelenk dort einreiben. 

Lecken statt des klassischen Flöhens

Die meisten Affenarten pflegen untereinander das Fell mit den Händen, beim so genannten Flöhen. Kattas und andere Halbaffen pflegen ihr eigenes Fell und das anderer mit Zunge und Zähnen. Auch dieses Verhalten ist im Burgers´ Zoo regelmäßig zu beobachten.

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