Schwamm bei der Arbeit
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Schwamm bei der Arbeit

Mittwoch, 07 September 2016
Schwamm bei der Arbeit

Jeder hat wohl schon von der Existenz der Schwämme gehört. Aber nicht jeder kann die Vorderseite eines Schwamms von seiner Rückseite unterscheiden. Noch weniger haben die meisten Menschen eine Vorstellung von der wichtigen Funktion der Schwämme im Ozean. Diese im Verborgenen lebenden Tiere haben viele Geheimnisse, von denen ich hier einige lüften will. In einigen Ländern werden getrocknete Schwämme als Reinigungsschwämme verwendet. In Burgers’ Ocean werden die lebenden Schwämme für die Wasserreinigung eingesetzt.


Was ist ein Schwamm?

Ein Schwamm ist ein sehr einfaches Tier. Ein Schwamm hat kein pochendes Herz, kein Gehirn und nicht einmal Organe. Die meisten Schwämme sind primitive, vielzellige Tiere. Ihr einfacher Bauplan ist eine Besonderheit. Eine Erfolgsformel, die es ihnen ermöglicht in vielen unterschiedlichen Gewässern zu überleben. Man findet sie sowohl im Meer in enormen Tiefen, als auch im Süßwasser in den Niederlanden.
Der Schwamm verfügt nur über wenige Zellentypen und ist fast immer sehr sesshaft, da er an Untergründen haftet. Schwämme funktionieren wie Filtersysteme. Über eine Vielzahl winziger Löcher strömt das Wasser in die Tiere. Dort filtern spezielle Zellen Nahrungspartikel aus dem Wasser, das über ein paar große Poren wieder austritt. Kleine Geißelzellen in der Zellkolonie sorgen für die Wasserbewegungen, aber ein bisschen Hilfe von Mutter Natur ist auch wichtig. Die Schwämme lieben daher Standorte mit starken Strömungen.



Schwämme im Burgers’ Ocean

Im Korallenriff kamen vor allem zu Anfang viele Schwämme mit den „lebenden Steinen“, aus denen das Riff aufgebaut wurde, als blinde Passagiere mit. Diese „lebenden Steine“ sind poröse Steine aus den tropischen Meeresgewässern Indonesiens und in ihnen verstecken sich viele, winzige Meereslebewesen. Im ersten Jahr des Korallenriffs gediehen die Schwämme prächtig. Die Lebensbedingungen für diese filtrierenden Tiere waren einfach perfekt. Überall sah man violette, schwarze, graue, rote und gelbe Kolonien wachsen. Einer der größten Schwamm-Experten weltweit, Dr. Van Soest (Universität Amsterdam), konnte zwanzig Sorten bestimmen. Aber kurz danach ging etwas schief im Reich der Schwämme. Das kam dadurch, dass das Wasser des Korallenriffs immer sauberer wurde, wodurch für die Schwämme weniger Nahrung im Wasser verfügbar war. Außerdem konnten sich die Schwämme im Kampf um den Lebensraum nicht mehr gegen die Algen, Korallen und anderen lichtliebenden Lebensformen durchsetzen.

Leben im Dunkeln

Schwämme leben auf einem natürlichen Korallenriff oft versteckt in Höhlen, Spalten oder unter den Korallen. Das ist möglich, weil die meisten Schwämme kein Licht zum überleben benötigen. Es ist daher für einen Schwamm einfacher in der Finsternis zu verschwinden als sich an einer hellen Stelle gegen eine Vielzahl anderer Lebewesen zu behaupten. Das sieht man jetzt auch im Arnheimer Korallenriff. Die meisten Schwämme, die noch im Korallenbecken zu finden sind, befinden sich versteckt unter Steinen. Eine kluge Strategie, denn es schwimmen diverse Kaiserfisch-Arten im Becken, bei denen Schwämme auf dem Speisezettel stehen. Es gab jedoch auch einen Schwamm im Korallenriff, der unglaublich schnell wuchs, weil er in Symbiose mit einer Algenart lebte, was auch bei vielen Korallenarten der Fall ist. Dieser Schwamm wird in der Aquarienwelt der „Killerschwamm“ genannt, weil er bekanntermaßen Korallen überwuchert. Wir haben ihn aus dem Becken entfernt, bevor er unserem Riff Probleme bereiten konnte. Schließlich ist der Burgers’ Ocean kein großer Ozean, in den jederzeit Larven von Schwämmen oder Korallen hineinströmen.  Wenn im Korallenriff-Becken Arten verschwinden, kommen sie nicht von alleine wieder zurück, sondern müssen vom Menschen wieder eingesetzt werden.


Schwämme züchten

In der Welt der Wissenschaft besteht ein großes Interesse an der Schwammzucht. Schwämme erzeugen nämlich bestimmte Wirkstoffe, an denen die biochemische Industrie besonders interessiert ist. Diese besonderen „Schwammstoffe“ können mit ihren Giftstoffen bestimmte Zellen abtöten. Das ist ideal für medizinische Zwecke. Die Schwämme produzieren diese Stoffe übrigens, um sich gegen Fressfeinde zu schützen und werden daher von den meisten Tierarten in Ruhe gelassen. Die Schwammzucht hat sich als schwieriges Unterfangen erwiesen, weil die Nachbildung einer passenden Umgebung und die Zuführung der richtigen Nahrung mühsam sind. Im unserem Ocean gedeihen die Schwämme momentan im Tunnelbecken sehr gut. Wenn man im Tunnel steht, sieht man an den Wänden und Säulen enorme Ansammlungen von Schwämmen, die übrigens den wohlbekannten Badeschwämmen nicht so wirklich ähneln! In diesem Becken sind die Lebensumstände offensichtlich optimal und natürliche Feinde gibt es dort auch nicht. In einem bestimmten Bereich der Filteranlage befinden sich sogar noch mehr Schwämme! Der Denitrifikationsfilter entfernt mit Hilfe spezieller Bakterien Nitrat aus dem Wasser. Die Schwämme verspeisen die Abfallstoffe dieser Bakterien und auch den Überschuss der Bakterien selber. So erfüllen sie eine wichtige Funktion im Filter und ihre Arbeit kann sich durchaus positiv auf die Wasserqualität im Korallenriff-Becken auswirken. Die Einführung von noch mehr Schwammarten im Korallenriff kann eine wichtige Rolle bei der künftigen Entwicklung des Korallenriffs spielen. 

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