Wissenschaftliche Forschung und mögliche Erklärungen
Der britische Genetiker Bryan Sykes führte vor einigen Jahren DNA-Untersuchungen an verschiedenen Haarproben durch, die man in Nepal, Bhutan, Tibet und Indien gefunden hatte. Er kam zu dem Schluss, dass es sich um Überreste einer ausgestorbenen Eisbärenart handeln könnte. Andere Wissenschaftler, die dasselbe DNA-Material untersuchten, halten diese Schlussfolgerung jedoch für voreilig und vermuten sogar, dass Sykes bei seinen Analysen ein Fehler unterlaufen ist. Als eine weitere Hypothese stellt Sykes die Vermutung auf, es könne sich um einen Hybridbären (eine Kreuzung zwischen verschiedenen Bärenarten) handeln, unter anderem weil ein Eisbär im Himalaya keine Fische finden würde.
Die Universität Buffalo (New York, USA) hat ihrerseits DNA-Studien an neun angeblichen Yeti-Überresten aus Museen und Privatsammlungen (Knochen, Haut, Zähne und Kot) durchgeführt. Acht davon stammten von Bären (Kragenbär, Tibetbär und Himalayabär) und einer sogar von einem Hund. Sowohl der Tibetbär als auch der Himalayabär sind Unterarten des Braunbären, die tatsächlich in diesen hochgelegenen Bergregionen vorkommen. Bei anderen Haarproben, die analysiert wurden, stellte sich heraus, dass sie von einer asiatischen Bergziegenart und in einem Fall von einem Tapir stammten.
Was die Existenz des Yetis betrifft, so vermuten die meisten Wissenschaftler heute, dass es sich entweder um Sherpa-Folklore handelt (die Sherpa stammen ursprünglich aus Tibet, leben aber heute größtenteils in Nepal) oder um falsch interpretierte Sichtungen von Bären oder Yaks. Darüber hinaus werden auch Bengalische Hanuman-Languren als mögliche Erklärung für angebliche Yeti-Entdeckungen genannt. Bengalische Hanuman-Languren sind eine asiatische Affenart, die in einigen Gegenden des Himalayas teils in großer Höhe lebt. Diese Tiere werden nur etwa 78 Zentimeter groß, haben ein graues oder weißes Fell und ein schwarzes Gesicht, das sich in einer verschneiten Landschaft deutlich von der Umgebung abheben kann. Aus der Ferne betrachtet, könnten diese Affen als menschenähnliche Gestalten wahrgenommen werden. Trotz aller Beobachtungen ist es bisher niemandem gelungen, die Existenz dieses Fabelwesens zweifelsfrei zu beweisen.