Ein Platzproblem von gigantischem Ausmaß
Terug

Ein Platzproblem von gigantischem Ausmaß

Mittwoch, 29 November 2017
Ein Platzproblem von gigantischem Ausmaß

Die Stiftung Lucie Burgers wurde von Burgers’ Zoo gegründet, um vergleichende Verhaltensforschung bei Tieren – in Zoos wie auch in freier Wildbahn – zu fördern. In diesem Rahmen hat die Stiftung GPS-Sender für die Beobachtung von Elefanten im Amboseli-Nationalpark in Kenia finanziert. Mithilfe der GPS-Sender wollen Forscher die Lebensweise der Elefanten, ihr Verhalten und die Routen besser kennenlernen, die die Dickhäuter auf ihren Wanderungen benutzen. Konfrontationen zwischen Elefanten und Menschen sind nicht neu, aber sie kommen immer öfter vor. Mit zunehmender Häufigkeit berichtet die örtliche Bevölkerung von gefährlichen Begegnungen mit dem größten lebenden Landsäugetier. Gleichzeitig gehen das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Verstädterung auf Kosten von Lebensraum, der für Elefanten unverzichtbar ist: Ein Platzproblem von gigantischem Ausmaß. 

Lösungen im Interesse von Mensch und Tier 

Für die dadurch entstehenden Konflikte zwischen Menschen und Elefanten werden häufig politisch motivierte „Lösungen“ ersonnen, zumeist mit grausamen Folgen für die Tiere. Ganze Elefantenfamilien werden selektiv getötet oder im günstigsten Fall in immer kleinere Lebensräume zurückgedrängt. Um Konflikte mit Elefanten zu vermeiden, bedarf es großer Sorgfalt, und die getroffenen Maßnahmen müssen den Interessen von Mensch und Tier gleichermaßen gerecht werden.

GPS-Halsbänder für Elefanten

Um das Verhalten von Elefanten und die Strecken, die sie zurücklegen, besser kennenzulernen, hat der Tierschutzfonds IFAW (International Fund for Animal Welfare) im Dezember vorigen Jahres vier Elefanten aus dem Amboseli-Nationalpark in Kenia mit GPS-Sendern ausgerüstet. Die Sender machen Gebrauch von Satelliten- und Radiosignalen, um den Standort der Tiere weiterzuleiten. Auf diese Weise erfährt die Tierschutzorganisation, wie Elefanten leben, wie sie sich verhalten und welche Wege sie nehmen. Das Projekt wird von der Stiftung Lucie Burgers unterstützt. Die Stiftung wurde für vergleichende Verhaltensforschung bei Tieren gegründet und verfolgt das Ziel, neues Wissen in den Bereichen Verhalten und Ökologie zu gewinnen. Sie unterstützt den IFAW mit einem Zuschuss in Höhe von 9.000 Euro. Für diesen Betrag konnte die Tierschutzorganisation drei GPS-Halsbänder anschaffen.

Slurf

Jahrhundertealte Elefantenrouten

Die Gefahr für Menschen, die in Gebieten leben, welche schon seit Jahrtausenden von Elefanten durchkreuzt werden, kann durch die Verwendung der Geräte erheblich reduziert werden, meint Arien van der Heijden, Geschäftsführer des IFAW Niederlande. „Elefanten führen ein nomadenhaftes Leben. Von Zeit zu Zeit begeben sie sich – auf jahrhundertealten Routen – auf die Suche nach Wasser und Nahrung, zum Beispiel in Zeiten der Trockenheit und Nahrungsmittelknappheit. Ihre Lebensräume und Wanderwege müssen deshalb besser geschützt werden. Denn wenn man ihnen das Land wegnimmt und sie ihre gewohnten Routen nicht mehr benutzen können, weil diese inzwischen durch Städte und Dörfer führen, sind sie dem Tod geweiht.“

Enorme Entfernungen

Die ausgedehnte Savannenlandschaft des Amboseli-Nationalparks in Kenia bildet den Lebensraum von etwa 1.400 Elefanten. „Aber das bedeutet nicht, dass all diese Elefanten sich ständig an einem festen Ort aufhalten“, erklärt van der Heijden. „Sie legen riesige Entfernungen zurück: die ganze Strecke bis nach Tansania im Süden und zum Tsavo-Nationalpark im Osten. Und bei ihren Streifzügen laufen sie quer über das Land der örtlichen Bevölkerung, was den Elefanten nicht überall Beliebtheitspunkte einbringt. Am Ende dreht sich alles um den nötigen Raum. Auf die Dauer werden die Informationen, die wir aus den GPS-Geräten in den Halsbändern gewinnen, das Leben sowohl der Tiere als auch der Menschen retten.“

Beliebteste Routen schützen

Durch vorrückende Landwirtschaft und den großen Bevölkerungszuwachs im Süden und Osten Afrikas bleibt den Elefanten immer weniger Raum. So kommen die Tiere stets häufiger ungewollt mit Menschen in Berührung. „Mit den GPS-Daten können wir die Bewegungen und Bedürfnisse der Elefanten viel genauer erfassen. Damit wird es für uns ein Stück leichter, ihre bevorzugten Routen zu „managen“ und zu schützen. Zudem können wir ihre verschiedenen Lebensräume miteinander verbinden, sodass einerseits die Elefanten und andererseits die Menschen mehr Raum haben und ungestört Seite an Seite leben können.“

Olifant (1)

Fünfjähriges Forschungsprojekt 

Es war nicht das erste Mal, dass der IFAW mit einem Team aus Wissenschaftlern, Forschern und Tierärzten eine solche Aktion organisiert hat. Schon im Februar 2013 bekamen sechs Elefanten (vier Bullen und zwei Kühe) Halsbänder mit GPS-Sendern. So gehört auch das aktuelle Experiment zu einem fünfjährigen Forschungsprojekt, das zum Wohl der lokalen Bevölkerung und der Elefanten durchgeführt wird. Durch das Managen der Elefantenrouten und die gleichzeitige Kontrolle der Artenvielfalt schützt der IFAW die örtliche Bevölkerung vor den Elefanten und umgekehrt. Mithilfe der Unterstützung der Stiftung Lucie Burgers werden Lebensräume geschützt, um genügend Raum für Mensch und Tier zu schaffen. 

Kommentare


Mehr News


Weltpremiere in Burgers' Ocean: Erfolgreiche Anwendung von Empfängnisverhütung bei Fischen

Weltpremiere in Burgers' Ocean: Erfolgreiche Anwendung von Empfängnisverhütung bei Fischen

Montag, 17 Dezember 2018

Biologe Max Janse und Veterinärarzt Henk Luten vom Königlichen Burgers’ Zoo in Arnheim konnten zum weltweit ersten Mal erfolgreich Empfängnisverhütung bei einer Fischart anwenden. Die renommierte Fachzeitschrift publiziert am Montag, den 17. Dezember 2018, einen Artikel über diese bemerkenswerte Weltpremiere, die bahnbrechende Folgen für internationale Fischzuchtprogramme haben wird. 

Lesen Sie mehr
Ein Blick hinter den Bauzaun!

Ein Blick hinter den Bauzaun!

Freitag, 14 Dezember 2018

Nach der Eröffnung von Burgers’ Mangrove im Juli 2017 sind in unserem Tierpark seit einigen Woche erneut Bauzäune zu sehen. Diesmal wird die Gegend zwischen dem Café Pinguïn Corner und dem Nasenbärengehege einer gründlichen Sanierung unterzogen.  Die Eröffnung dieses neuen Zoobereichs soll im Frühjahr 2019 stattfinden.

Lesen Sie mehr
Ich sehe was, was Du nicht siehst: Epiphyten

Ich sehe was, was Du nicht siehst: Epiphyten

Mittwoch, 05 Dezember 2018

 Der dreißig Jahre alte Regenwald verbirgt vor dem durchschnittlichen Besucher zahlreiche grüne Geheimnisse. Einer der weniger bekannten grünen Fakten ist beispielsweise, dass die Bepflanzung dieses Regenwaldes in drei Welten aufgeteilt ist: Südamerika, Afrika und Südostasien. Aber diese Tatsache würde man nicht als großes Geheimnis bezeichnen.

Lesen Sie mehr

Wir verwenden Cookies für eine optimale Erfahrung auf dieser Seite.

in Ordnung Privacy statement