Als eine Zeit lang (nach einer Zwillingsgeburt) fünf Sumatra-Tiger gleichzeitig in unserem Zoo lebten, hielten wir die Tiere in verschiedenen Gehegen. Von Zeit zu Zeit wechselten sie von einem Gehege ins andere. Da Tiger ihr Revier unter anderem mit Urin und Kratzspuren markieren, stellten diese Veränderungen für die Tiere eine natürliche Form der Verhaltensanreicherung dar. Die Neuankömmlinge in einem Gehege waren oft eine ganze Weile damit beschäftigt, die markierten Stellen zu „übersprühen“: vergleichbar mit einer Jugendbande, die ihr eigenes Graffiti über das Graffiti einer rivalisierenden Gruppe sprüht. Wenn ein Männchen ein Gehege betrat, in dem sich zuvor mehrere Weibchen aufgehalten hatten, war es besonders beschäftigt und übermäßig an den Urinspuren der Weibchen interessiert.
Flehmen
Wenn ein Nashornmännchen den Kot eines Weibchens inspiziert, ist, genau wie bei Tigern und Geparden, zu beobachten, dass das Tier „flehmt“: Es rollt die Oberlippe ein und „schmeckt“ die Luft. Die Geruchspartikel werden dadurch zum Jacobson-Organ in der Mundhöhle transportiert, wo sie noch genauer analysiert werden können. Auch bei diesen Dickhäutern zeigt sich eine ähnliche erregte Reaktion, wenn das Weibchen tatsächlich paarungsbereit ist. In diesen Momenten versucht das Männchen, sich dem Weibchen zu nähern und es lässt seine Anwesenheit zu. Außerhalb der fruchtbaren Zeit wollen die erwachsenen Weibchen in der Regel von den erwachsenen Männchen nichts wissen. Wie in freier Wildbahn führt das Männchen in unserem Zoo ein Leben als Einzelgänger. In Arnheim ist die weite Savanne groß genug dafür. Es ist aber auch möglich, einzelne Tiere – z.B. das Männchen, ein trächtiges Weibchen oder ein Weibchen mit einem neugeborenen Jungtier –vorübergehend von den anderen Nashörnern getrennt in einem anderen Gehege zu halten.