Kultur bei Schimpansen: im Kongo und in Arnheim
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Kultur bei Schimpansen: im Kongo und in Arnheim

Mittwoch, 07 Dezember 2016
Kultur bei Schimpansen: im Kongo und in Arnheim

Schimpansen sind genauso wie Menschen Wesen, die mit geringen festumrissenen Kenntnissen geboren werden. Alle Menschenaffen haben ein großes Gehirn, also viel Kapazität, um Informationen zu verarbeiten, zu lernen sowie ein adäquates und flexibles Verhalten zu entwickeln. Menschenaffen haben eine lange Kinder- und Jugendzeit, in der sie sich viele Fähigkeiten aneignen. Was genau sie jedoch lernen, hängt von den Umständen in ihrer Jugend ab. Es ist also nicht verwunderlich, dass auch Menschenaffen, genau wie Menschen, in ihrem Verhalten örtliche Bräuche und Eigenheiten zeigen – dass sie also eine Art Kultur kennen!

Werkzeuge

Vor allem die Art und Weise, wie Schimpansen an schwer zugängliche Nahrung gelangen – man denke dabei an Termiten oder Nüsse in einer harten Schale – unterscheidet sich stark je nach Gegend. Bis Dr. Jane Goodall in den sechziger Jahren in Tansania beobachtete, dass Schimpansen mit Stöcken Termiten angeln, war nicht bekannt, dass Schimpansen Werkzeuge verwenden. Inzwischen wissen wir, dass sich die bevorzugten Materialien, die genauen Techniken und die Art der Werkzeugnutzung je nach Population unterscheiden. 

Geschickte Schimpansen, auch in Bili

Geschickte Schimpansen, auch in Bili

Affenforscher Dr. Cleveland Hicks hat eine von der Stiftung „Lucie Burgers Stichting“ kofinanzierte Expedition in die Demokratische Republik Kongo unternommen. Er hat dort in der Region Bili eine abgelegene Population Schimpansen erforscht, über die bisher kaum etwas bekannt war. Ein Bericht, wie er mithilfe von Kamerafallen das Verhalten wilder Schimpansen festhalten konnte, war in „ZieZoo“ vom Februar 2014 zu lesen. Aber Hicks beobachtete auch erstmals die Nutzung von Werkzeugen bei dieser Schimpansenpopulation. So wurde ein Schimpansenweibchen dabei gefilmt, wie es einen kurzen Stock in die Erde steckte, um so die Ameisen Dorylus kohli daran hochklettern zu lassen. Anschließend leckte es den Stock genussvoll ab, als wäre er ein Lutscher. Ein jüngeres Weibchen kopierte dieses Verhalten sofort und brach ein Stück Kletterpflanze ab, um ebenfalls „angeln“ zu gehen. 

Mega-Angel

Ein ganz anderer Werkzeugtyp wurde ebenfalls von den Schimpansen in Bili genutzt: bis zu 2,5 Meter lange Angelstöcke! Diese leisten gute Dienste, wenn man beißende Wanderameisen fangen will. Man kann dann selbst etwas abseits bleiben! Zudem werden die extralangen Stöcke genutzt, um Honig und Larven stachelloser Bienen aus den Nestern tief unter der Erde zu fischen. 

Dieses außergewöhnliche Werkzeug und seine Verwendung, um an unterirdischen Honig zu gelangen, wurden schon früher bei einer anderen Schimpansenpopulation im Norden der Demokratischen Republik Kongo beobachtet. Bei den Schimpansen beispielsweise aus dem Senegal oder aus Uganda wurde dagegen eine solche Mega-Angel noch nie gesehen.

Arnheimer Dialekt

Es verwundert nicht, dass auch Schimpansengemeinschaften in Tiergärten eigene Gewohnheiten entwickeln. Sogar „Dialekte“ kommen vor, wie die neuere Forschung von Tim Bulters (Universität von Amsterdam) zeigt. Innerhalb des arttypischen Lautrepertoires von Schimpansen scheinen je Gruppe leichte Abweichungen zu existieren. So klingt ein typischer „pant-hoot“ (der lauter werdende Keuch-Ruf, der bei Imponiergehabe und Aufregung ausgestoßen wird) in der Kolonie des Burgers’ Zoo etwas anders als im Zoo von Amsterdam. Die Feinabstimmung im Verhalten ist also ebenfalls erlernt und charakteristisch für eine bestimmte Population. Auch Verhaltenskonformitäten sind zu beobachten: Die Tiere stimmen ihr Verhalten bewusst darauf ab, wie Gruppengenossen dieses Verhalten zeigen. Es wäre natürlich sehr interessant zu erfahren, ob ein Arnheimer Schimpanse, der nach Artis (den Amsterdamer Zoo) umzieht, dann auch den Amsterdamer „Akzent“ übernimmt, und wie lange dies dauert. Aber diese Facetten des Schimpansenverhaltens sind noch nicht erforscht!

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