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Ein Versuch, die räumlichen Strukturen der Lemuren zu verstehen
Terug

Ein Versuch, die räumlichen Strukturen der Lemuren zu verstehen

Mittwoch, 19 Dezember 2018
Ein Versuch, die räumlichen Strukturen der Lemuren zu verstehen

Über die Lucie Burgers Stiftung werden Stipendien für Feldforschung finanziert. Im Frühjahr 2018 hatte Lauren Seex von der Universität Groningen dank eines solchen Stipendiums die Möglichkeit, Halbaffen auf Madagaskar zu studieren. Die Lucie Burgers Stiftung fördert vornehmlich Forschungsprojekte, die durch den Erwerb von Wissen zum Erhalt bedrohter Tierarten beitragen sollen. An der Universität Groningen entwickelt ein Team von Biologen um Prof. Dr. Charlotte Hemelrijk seit Jahren Modelle im Zusammenhang mit dem sozialen Funktionieren von Primatengesellschaften. Um jedoch Modelle untermauern und Daten analysieren zu können, benötigt man zunächst Erhebungen aus dem natürlichen Kontext. Und dabei kommt die Studentin Lauren Seex ins Spiel.

Die Forschungsarbeit

Ziel war es, Daten zu sammeln, mit denen man den Aufbau und das Funktionieren von Lemurengruppen, in denen immer die Weibchen dominant sind, mit Makakengruppen vergleichen konnte. Bei Makaken, zu denen unter anderem die Südlichen Schweinsaffen in Burgers’ Zoo gehören, sind immer die Männchen dominant. Bei dieser Affenart wurden bereits zahlreiche Verhaltensstudien durchgeführt. Seex beobachtete drei verschiedene Halbaffenarten jeweils über mehrere Wochen. Für das Studium der Roten Makis und Larvensifakas konnte sie im Westen Madagaskars in dem von der Universität Göttingen geführten Forschungscamp in Kirindy unterkommen. Die Larvensifakas leben in relativ kleinen Gruppen, die aus einem dominanten Weibchen und einem bis drei Männchen bestehen. Sifakas ernähren sich hauptsächlich von Blättern und sind mit ihren stark verlängerten Hinterbeinen enorm gute Springer. Rote Makis leben dagegen in einem ziemlich lockeren Gruppenverband, bestehend aus durchschnittlich acht bis zehn Tieren, wobei die Gruppen immer wieder zeitweise in Untergruppen auseinanderfallen.

Kattas

Zuletzt studierte Seex im Süden von Madagaskar die Kattas bei Berenty: ein unter Affenkennern berühmter Standort für die Feldforschung, an dem schon seit Jahrzehnten Makis erforscht werden. Kattas, die zur Familie der Makis zählen, leben in relativ großen Gruppen in einer eher offenen Landschaft und halten sich vor allem am Boden auf. Sie haben eine strenge Rangordnung mit sehr rigiden Anführern. Das Ziel von Seex‘ Untersuchung war die Erhebung von Daten zu den räumlichen Positionen der Gruppenmitglieder. Zudem hielt sie alle Konflikte und positiven Interaktionen zwischen den Tieren fest. Pro Affenart hat Seex 50 Stunden Datenmaterial gesammelt.

Neben der Erhebung wichtiger Forschungsdaten hat Lauren Seex auch viele Erfahrungen auf dem Gebiet der Forschung und Naturschutzarbeit in tropischen Ländern gesammelt. So erfährt man in ihrem Bericht von Problemen mit der Stromversorgung, von wiederholten Militäreinsätzen in der Nähe des Camps zur Bekämpfung von illegalem Holzeinschlag und von anderen störenden Rahmenbedingungen. Außerdem sah Seex in Kirindy sehr häufig Fossas, die größten Raubtiere auf Madagaskar und spezialisierte Lemurenjäger. Das ist sicher nicht schön für die Lemuren, aber auch Fossas sind eine gefährdete Tierart. Dass sie häufiger in der Nähe des Camps zu sehen waren, zeigt, dass einige der gefährdeten Inselarten Madagaskars ihr Verhalten ein stückweit an ihren veränderten Lebensraum anpassen können!

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