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Historische und politische Einflüsse auf den Naturschutz
Terug

Historische und politische Einflüsse auf den Naturschutz

Freitag, 23 August 2019
Historische und politische Einflüsse auf den Naturschutz

Gemeinsam mit dem Zwitsers vlinderpark Papiliorama unterstützt Burgers’ Zoo bereits seit Ende der 80er Jahre ein Naturschutzgebiet in Belize. Das Projekt ist erfolgreich und entwickelt sich weiter. Neben ausreichenden finanziellen Mitteln sowie fachkundigen und engagierten Mitarbeitern ist bei einem derartigen Projekt aber auch immer das Wohlwollen der Politik ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Der politische Einfluss darauf, ob man Naturschutzziele erreicht oder nicht, ist nicht nur in den Tropen von Bedeutung, sondern natürlich auch in den Niederlanden. Man denke nur an die politischen Entscheidungen hinsichtlich der Natura-2000-Gebiete oder an das von der Regierung verabschiedete „Strandungsprotokoll für lebende große Wale“ – die Politik ist ein wichtiger Akteur und Entscheidungsträger. Politische Entscheidungen können auch privaten Initiativen oder NGOs zugutekommen oder deren Arbeit verlangsamen – im schlimmsten Fall bringen sie sie sogar zum Erliegen.

Wir haben lange Glück gehabt

International tätige Naturschutzorganisationen beobachten daher in der Regel die politische Situation im Zielland genau. Natürlich sind Wahlen immer spannend. Was Belize betrifft, so hatten wir in den vergangenen Jahren großes Glück: Die belizische Regierung ist wohlwollend und das zuständige Ministerium für „Forestry, Fisheries and Sustainable Development“ ist mit Menschen besetzt, die Visionen haben. Doch nun ist Belize mit einem Problem konfrontiert, das das Wohlergehen unseres Projektes beeinflussen könnte: einem enormen Gebietsanspruch des Nachbarlandes Guatemala auf belizischem Territorium!

Uralter Streit

Der Streit zwischen den spanischen Kolonialgebieten in Mittelamerika und dem von den Engländern besetzten Land (dem heutigen Belize) begann bereits im 19. Jahrhundert. Eine Straße, die die Engländer vertragsgemäß von Guatemala zur Küste hätten anlegen sollen, die aber nie gebaut wurde, spielt in diesem Konflikt eine Schlüsselrolle. Guatemala zufolge bedeutet der nicht eingehaltene Vertrag, dass Belize 1981 nicht unabhängig hätte werden dürfen, sondern nur ein 23. Verwaltungsbezirk von Guatemala. Folgerichtig hat Guatemala weder die Staatsgrenzen noch die Unabhängigkeit des Nachbarlandes anerkannt. In den letzten zehn Jahren ist dieser Streit wieder neu entbrannt, und diesmal geht es konkret um den Teil von Belize, der südlich der Hauptstadt Belize City und des Sibun River liegt. Inzwischen haben in beiden Ländern Volksabstimmungen darüber stattgefunden, ob diese Angelegenheit dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag vorgelegt werden soll oder nicht. Guatemala – dort hat man wenig zu verlieren – stimmte 2018 mit überwältigender Mehrheit dafür. Mit etwas Verspätung gingen auch die Einwohner von Belize im Mai 2019 an die Urnen … und auch sie stimmten mit relativ knapper Mehrheit für den Gang vors Gericht. Wohlgemerkt, dabei geht es nicht um einen umstrittenen kleinen Streifen Land an der Grenze, sondern um mehr als die Hälfte der Fläche von Belize!

Und unser Projekt?

Glücklicherweise liegen alle unsere Schutzgebiete in Belize im Norden des Landes. Aber es dürfte klar sein, dass die Beziehungen zum benachbarten Guatemala sehr angespannt sind. Das ist sehr bedauerlich, denn die Naturschützer erkennen zunehmend die Bedeutung grenzüberschreitender Naturschutzgebiete und Ökokorridore. Die Tatsache, dass sich die belizische Regierung und das Volk in den kommenden Monaten oder sogar Jahren in einer Situation großer Unsicherheit befinden, ist ebenfalls ein Faktor, der den Fortgang verschiedener Bereiche unseres Projektes beeinflussen kann. Und so hat die internationale Politik auf indirekte Weise durchaus ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Zukunft der unberührten Natur geht! 

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